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Neue Männer*bewegung

“Neue Männer*bewegung” ist ein Werkzyklus, der sich dem Zusammenhang von Maskulinität und rechtem Denken im post-digitalen Zeitalter widmet. THE AGENCY wird diese Zusammenhänge in mehreren Produktionen zwischen 2018 und 2020 analysieren und den digitalen und analogen Raum verbinden, um eine Gegenbewegung zu entwerfen: Eine Neue Männer*bewegung.

Unsere Recherche in Japan im Mai/Juni 2018 und in München im September/Oktober 2018, ermöglicht durch das Stipendium Bloom up vom Rodeo Festival, hat sich um das Phänomen “Herbivore Männer” gedreht. Mit diesem Begriff beschrieb die Soziologin Maki Fukasawa Mitte der Nullerjahre heterosexuelle Männer in ihren Mittzwanzigern bis Mittdreißigern, die nicht einer typischen Karriere, nicht der Rolle des Brotverdieners und Ehemannes nachgehen und - in den westlichen Medien sehr präsent - vielleicht sogar weniger oder keinen Sex mehr haben. Herbivor (= pfanzenfressend) ist buddhistisch assoziiert und wird mit Beschreibungen wie „friedliebend“, „edel“ und „eine höhere geistige Stufe erreichend“ verbunden. Bald wurde der Begriff unter japanischen Politikern zum Schimpfwort für eine Männergeneration, der man die niedrige Geburtenrate und den ökonomischen Untergang des japanischen Staates anlastete: Diese Männer erfüllten ihre Pflichten nicht, sie seien keine Männer, hieß es. Dieses Phänomen, das vollkommen leise vonstatten geht, ist unser Ausgangspunkt: Was passiert, wenn sich Männer wegbewegen von den Rollen, die ihnen Neoliberalismus und Patriarchat zuschreiben? Und was würde geschehen, wenn dieses Phänomen sich zu einer Bewegung entwickeln würde, die über Japan hinausgeht?

“Gather up, Man up” entstand als Showing unserer Bloom up Recherche und bildet ein erstes Fragment des Werkzyklus Neue Männer*bewegung:

RESEARCH

“Gather up, Man up” ist die Gründungsveranstaltung der Neuen Männer*bewegung: Movement of contemporary Manliness, kurz: MOM. Die MOM Natives versammeln sich mit ihren Novices und untersuchen in einem Offline-Meeting die Rhetoriken und Praktiken aktueller, zumeist rechter Männlichkeiten: die Tränen der Sad Boys, den Ghost Status der Men Going Their Own Way (mgtow.com) sowie das radikale Potential herbivorer Männer. MOM fragt: Was muss aufgegeben werden, was zurückerobert? Wie lassen sich Männlichkeitsverständnisse jenseits biologischer Identität und Heteronormativität etablieren? Wie kann Männlichkeit ein Tool für Change werden? How can we become MOM?

Im Rahmen der Bloom up Residency hatten THE AGENCY und ihre Kollaborateur*innen Nile Koetting (Sound Designer, Performer), Taro Inamura (Dramaturg, Recherche Japan) und Kanako Azuma (Videokünstlerin) aus Tokyo die Möglichkeit, gemeinsam erste Ideen zu einer Neue Männerbewegung zu entwerfen, die im gegenwärtigen Klima jenseits identitätspolitischer Zuordnungen agiert und positives Identifikationspotenzial bietet.

Foto: Franz Kimmel

“Gather up, Man up” entstand als erstes Fragment des Werkzyklus Neue Männerbewegung im Rahmen der Bloom up Residency des Rodeo Festivals München. Unterstützt durch Rodeo Festival München, Goethe Institut München und Saison Foundation Tokyo.

mit

Nile Koetting, Fabian Stumm, Kanako Azuma, Dorian Fabini, Taro Inamura, THE AGENCY

Im Werkzyklus “Neue Männer*bewegung” sind des weiteren die beiden Arbeiten BOYS SPACE und TAKE IT LIKE A MAN entstanden!

Teil der Werkreihe MOVEMENTS

Gather up, Man up